Gedenkzeichen

Mitte 1944 wurde im Schloss Etzelsdorf durch die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt ein "Fremdvölkisches Kinderheim" errichtet. Im Frühjahr 1944 wurde das Schloss saniert und als Kinderheim für Kinder von Zwangsarbeiterinnen adaptiert. Unter den ersten Kindern, die Anfang August 1944 eingeliefert wurden, waren das polnische Kind Paul und das ukrainische Kind Wladimir. Paul starb am 24. November 1944, Wladimir am 13. Dezember 1944. Von den 38 bis Jahresende 1944 ins Heim gebrachten Kindern verstarben 13 und wurden namenlos am Ortsfriedhof begraben. Die meisten verstorbenen Kinder waren etwa 4 Monate alt.

Anfang 1945 kam es im Kinderheim zu großen Veränderungen, als vom Lindenhof in Spital am Pyhrn 26 Kinder nach Etzelsdorf verlegt wurden. Mit ihnen kam auch eine neue Leiterin. Unter der neuen Leitung sind offiziell keine Todesfälle mehr dokumentiert.

Über die Betreuung der Kinder liegen widersprüchliche Angaben vor. Einerseits wird betont, dass es den Säuglingen gut gegangen sei, dass sie adrett gekleidet und mit Nahrung ausreichend versorgt waren. Man hat die Kinder am Leben erhalten, aber ihnen minimale Zuwendung gegeben. So war es nicht üblich, die Kinder mit einem Namen anzusprechen. Vor allem die Todesrate in der ersten Zeit des Heimes lässt Rückschlüsse auf mangelnde Betreuung und schwerwiegende Vernachlässigung zu.

Das Heim bestand über Kriegsende hinaus und wurde im Herbst 1946 aufgelöst. Vier ehemalige Etzelsdorfer Kinder, drei in Polen und eines in Österreich, sind bisher bekannt. Was aus den anderen geworden ist, ist unbekannt.

Zur Erinnerung und Mahnung errichtete die Pfarre Pichl ein Gedenkzeichen an der Außenmauer der Pfarrkirche, welches von Frau Mag. Bibiana Weber gestaltet wurde. Die Gemeinde Pichl leistete dazu eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 2.000,-- Euro.

Bei der Segnung am 2. November 2005 betonte Bgm. Doppelbauer, dass dieses Gedenkzeichen auch ein Mahnmal sei für alle Kinder, die heute noch schuldlos umkommen sowie gegen jeden Radikalismus von links und rechts.

Das Gedenkzeichen wurde in Anwesenheit von Bezirkshauptmann Dr. Josef Gruber sowie einer Delegation aus Polen seiner Bestimmung übergeben.

(Dokumentation, herausgegeben von Mag. Martin Kranzl-Greinecker, "Die Kinder von Etzelsdorf", erschienen im Denkmayr-Verlag Linz (ISBN 3-902488-44-1) erhältlich im Buchhandel oder am Schriftenstand der Pfarrkirche.)

Quelle: Homepage der Gemeinde Pichl (16.11.2011)
Fotos: Homepage der Pfarre Pichl

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